Zukunftsakademie Duderstadt – 3 Wochen Theater mit Förderschülern

„Oh wie schön ist Libanon“

In den Sommerferien 2013 sind 30 Jungen und Mädchen aus Laatzen nach Duderstadt gefahren, um dort an der Zukunftsakademie teilzunehmen. Sie bekamen Nachhilfe in Deutsch, Mathe und Englisch, haben an PC-Kursen teilgenommen und sich auf zukünftige Bewerbungsgespräche vorbereitet. Und sie hatten Theater…

Innerhalb von nur drei Wochen haben wir ein 80minütiges Theaterstück entwickelt. Wir hatten 15 Teilnehmer, davon 5 Mädchen und 10 Jungs. Geprobt wurde von montags bis freitags von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

Wir haben jede Probe mit einem kurzen Warm-Up begonnen und sind dann in die Stückentwicklung gegangen. Dabei war uns wichtig, dass das Stück von den Teilnehmern selbst entwickelt wurde. Sie sollten ihre Themen einbringen und sich für Figuren entscheiden, die sie gerne spielen wollten. So kamen wir nach dem ersten Brainstorming zu folgendem Ergebnis: Es sollte ein Stück mit komischen Elementen werden. Es sollte ein Junge darin vorkommen, der Probleme mit seinen Eltern und der Schule hat und ein Mädchen, in das sich der Junge verliebt, die ihn aber zunächst abweist.

Im Anschluss an die Probe haben wir Theaterpädagogen uns zusammengesetzt und aus allen Vorschlägen ein Stück gebastelt: Die Hauptfigur Ayman hat Probleme mit der Schule und seinen Eltern. Deshalb haut er von zu Hause ab, sucht Zuflucht bei seiner Gang und träumt sich gedanklich immer wieder in den Libanon. Er findet ein Mädchen aus der „befeindeten“ Gang toll, die ihn zum einen abblitzen lässt und was zum anderen zur Folge hat, dass er aus seiner Gang verstoßen wird. Endgültig am Boden ist er, als ihm gesagt wird, dass in seinem Lang Krieg herrscht und es dort keineswegs schön ist.

Ayman sieht keinen Hoffnungsschimmer mehr und spielt mit dem Gedanken, sich umzubringen. Auf einem Hochhaus trifft er auf einen anderen Jungen, der sich ebenfalls umbringen will, weil er von seinen Klassenkameraden im Internet gemobbt wird. Die beiden kommen ins Gespräch und machen sich neuen Mut. Damit ist die Wende in Aymans Leben eingeleitet: Er rettet die Angebetete aus einer schwierigen Situation, wird zur Belohnung in ihre Gang aufgenommen (und sogar von ihr ins Kino eingeladen), verträgt sich wieder mit den Eltern und bekommt am Ende noch einen Brief von seinem Onkel aus dem Libanon, der ihm schreibt dass der Krieg vorbei ist und Ayman für die nächsten Ferien zu sich einlädt.

Am allerersten Tag der Zukunftsakademie wurden die Schüler gefragt, was das bisher schönste Erlebnis in ihrem Leben war. Besonders beeindruckt hatte uns die Antwort eines Schülers: Als der Krieg in meinem Land vorbei war. Diese Aussage hat uns schließlich den Titel unseres Theaterstücks geschenkt: „Oh wie schön ist Libanon“.

Die Teilnehmer waren mit dieser Geschichte einverstanden und so haben wir die einzelnen Szenen in den folgenden Probentagen durch Improvisationen erarbeitet. Das bedeutet, dass wir vorgegeben haben, welche Figuren in den Szenen auftreten und was inhaltlich vorkommen muss. Die Umsetzung haben wir dann aber den Schülern überlassen. Gute Vorschläge haben wir komplett übernommen. Einige Ideen wurden von uns künstlerisch und ästhetisch aufgearbeitet und so mit den Teilnehmern umgesetzt. Dabei hatten die Schüler immer wieder eigene tolle und kreative Spielwünsche, die wir in das Stück eingearbeitet haben. Sie haben tolle Dialoge entwickelt und sogar einen Rap und zwei weitere Lieder geschrieben.

Und obwohl wir die Teilnehmer in anderen Unterrichten oder in ihrer Freizeit sehr agil erlebt haben, waren sie in der Theaterarbeit sehr konzentriert dabei und haben auch den anderen über lange Strecken leise zusehen können. Wir haben sie als sehr spielfreudig erlebt, was darin gipfelte, dass sie im Schülerparlament sogar weitere freiwillige Proben am Wochenende beantragt haben.

Die Theatergruppe ist in der Zeit sehr zusammen gewachsen. Dinge, die am Anfang vielleicht noch peinlich waren, waren am Ende gar kein Thema mehr und wir freuen uns, dass am Ende alle stolz auf das Stück waren, das sie schließlich aus ihren eigenen Ideen selbst entwickelt haben.

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